Grafenauerin mit Schokolade im Blut

GRAFENAUERIN MIT SCHOKOLADE IM BLUT

Jeden Tag umgeben von feiner, cremiger und aromatischer Schokolade: was fĂŒr SchleckermĂ€uler nach Schlaraffenland klingt, ist fĂŒr Leonie Rauer Arbeitsalltag.

BÖBLINGEN. Als SĂŒĂŸwarentechnologin ist Leonie Rauer bei der Alfred Ritter GmbH tagtĂ€glich mit dem brauen Gold in all seinen Facetten beschĂ€ftigt. Dabei tut sie genau das, was fĂŒr viele Menschen eine Traumvorstellung ist – tĂ€glich umsonst Schokolade kosten.

Bevor es der Grafenauerin allerdings gestattet war, in den heiligen WerksrĂ€umen der Waldenbucher Schokoladenfirma die Endprodukte zu probieren, durchlief sie eine zweijĂ€hrige Ausbildung. Dieser Abschnitt war mit mehr als nur Schokoladeessen verbunden. An Deutschlands einziger Fachschule fĂŒr SĂŒĂŸwarentechnologie im nordrhein-westfĂ€lischen Solingen verbrachte die 22-JĂ€hrige einen Großteil ihrer Zeit in einem Internat – fernab der Heimat. Und wĂ€hrend die Altersgenossen das Studentenleben genossen, tĂŒftelte Rauer an möglichen Schokoladenkompositionen. Wie kommt man aber darauf, SĂŒĂŸwarentechnologin zu werden, wenn die Klassenkameraden von Jura, Psychologie oder Lehramt sprechen? „Mich hat das Interesse an Rohstoff en zu diesem Berufsfeld gefĂŒhrt, nicht nur die Leidenschaft fĂŒr SĂŒĂŸes.“ Daraus ergab sich ein Praktikum, in dem Rauer allerdings weniger Schokolade als viel mehr Bonbons und GummibĂ€rchen herstellte.„Ab diesem Zeitpunkt war ich mir sicher: Ich möchte SĂŒĂŸwarentechnologin werden“, erinnert sie sich zurĂŒck.

Von Grafenau nach Waldenbuch ist es dann nicht mehr weit, erst Recht nicht, wenn das Unternehmen nach neuen Auszubildenden in diesem nicht alltĂ€glichen Berufsfeld Ausschau hĂ€lt. Im Gegensatz zu GummibĂ€rchen bietet das Arbeiten mit Schokolade viel Kreativarbeit – so zum Beispiel, wenn es um FĂŒllungen geht. Dass Rauer auch das Kreative beherrscht, bewies sie in der AbschlussprĂŒfung: „Am Ende meiner Ausbildung durfte ich der Expertenkommission ein eigenes Produkt vorstellen.“ „Berggipfel“ nannte die damalige Auszubildende ihr Werk aus Schokolade, Nougat und Waff elblĂ€tterbruch. Durch weiße Flecken sah das sĂŒĂŸe StĂŒck wie ein verschneiter Alpenberg aus.

Probieren geht ĂŒber Studieren

Heute ist Leonie Rauer weiterhin begeistert von Schokolade, wenn auch nicht mehr so fl eißig am Naschen wie frĂŒher. Das liegt vielleicht auch daran, dass die talentierte Fußballerin wieder kickt. Der Ausbildung wegen hatte Rauer beim VfL Sindelfi ngen aufgehört, greift jetzt bei der SG Grafenau / Weil der Stadt aber wieder an. „Und da passt zu viel Schokolade einfach nicht dazu“, grinst sie. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit bei Ritter liege heute zudem mehr in der Produktion der bekannten Schokoladentafeln als in der Planung neuer  Kompositionen. Als AnlagenfĂŒhrerin ĂŒberwacht sie seit Ende der Ausbildung die Produktionsprozesse, sorgt fĂŒr die richtige Mischung und prĂŒft die QualitĂ€t. In der SĂŒĂŸwarenindustrie geht das nicht, ohne selbst „zwei bis drei Rippchen am Tag“ zu kosten.

Hier ist er wieder: der Traumjob vieler Leute. In insgesamt drei Schichten, manchmal auch nachts, kĂŒmmern sich Rauer und ihre Anlagenkollegen zumeist im Dreierteam um die reibungslose Herstellung der Schokoladentafeln. „Es dauert etwa eine halbe Stunde, bis eine Tafel produziert ist.“ Dabei gebe es durchaus Unterschiede zwischen den Sorten. „Kokos ist am aufwendigsten, da die FĂŒllung mit Kokosraspeln hinzukommt“, erklĂ€rt die SĂŒĂŸwarentechnologin. Wie anspruchsvoll die Arbeit als AnlagenfĂŒhrerin ist, zeigt die 22-JĂ€hrige dann bei einem Werksrundgang. Wohin das Auge reicht, stehen komplexe Maschinen, sogar Ampelsysteme gibt es in dem riesigen Waldenbucher Werk. Satte drei Millionen Tafeln laufen tĂ€glich vom Band. Schokolade herstellen ist heutzutage eben ein hochprofessionelles GeschĂ€ft, das auch in der Zukunft die speziellen BedĂŒrfnisse der Kundschaft erfĂŒllen möchten.

„Die Kunden erwarten nicht nur höchste QualitĂ€tsstandards, sondern auch Nachhaltigkeit und Ökologie“, erlĂ€utert Elke Dietrich von der Pressestelle des Ritter- Unternehmens. FĂŒr die Mitarbeiterinnen wie Leonie Rauer bedeutet das, dass sie mit nachhaltig zertifi zierten Kakao und natĂŒrlichen Zutaten arbeiten und so die Schokoladen der Zukunft formen. Daran möchte Leonie Rauer weiter mitarbeiten, ob als AnlagenfĂŒhrerin oder nach Weiterbildung in anderer Funktion. „Im Moment arbeite ich zwar seltener konzeptionell, dennoch habe ich Ideen, welche Sorten wir noch umsetzen können“, so Rauer. Dabei denke sie an Kreationen wie TrĂŒff elschokolade mit Gin oder Whiskey – vielleicht stehen diese Geschmacksrichtungen ja bald im Ladenregal.