Wir Fragen nach!

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Der Böblinger Anwalt für Arbeitsrecht Ralph Berndt erklärt, was der Arbeitgeber vorschreiben darf und was diesen nicht zu interessieren hat.

Das Tattoo als Begründung für eine Job-Absage – ist das arbeitsrechtlich legitim?
Private Arbeitgeber dürfen ihre Einstellungsentscheidung durchaus auch von sichtbaren Tätowierungen und Piercings abhängig machen. Damit verstößt man nicht gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und ebenso wenig gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Anders kann es sich jedoch im öff entlichen Dienst darstellen. Hier gelten strengere Maßstäbe, ebenso bei einer Bewerbung für eine Beamtenlaufbahn. Da kommt es darauf an, ob die Tätowierung Zweifel an der persönlichen Eignung des Bewerbers weckt. Ein Verbot sichtbarer Tätowierungen darf sich aber nur auf plausible und nachvollziehbare Gründe stützen und muss aus dienstlichen Gründen erforderlich sein.

Muss man beim Vorstellungsgespräch darauf hinweisen, dass man ein Tattoo hat?
Von sich aus muss der Bewerber im Vorstellungsgespräch nicht auf Tattoos hinweisen. Fragt der Arbeitgeber, müssen zumindest die Tattoos wahrheitsgemäß angegeben werden, die im Dienst oder bei der Arbeit sichtbar sind.

Darf es im Arbeitsvertrag einen Passus geben, der Tattoos generell verbietet?
Ein totales Verbot im Arbeitsvertrag ist nicht zulässig. Das würde das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers zu sehr einschränken. Tattoos auf Körperteilen, die während der Arbeit oder im Dienst nicht sichtbar sind, haben den Arbeitgeber oder Dienstherrn grundsätzlich nicht zu interessieren. Eine Ausnahme gilt allerdings dann, wenn der Arbeitnehmer beispielsweise eine rechtsextreme Gesinnung in der Freizeit mit Tattoos zur Schau trägt. Im Vertrag kann außerdem geregelt sein, dass Tattoos an bestimmten Körperteilen, beispielsweise am Hals oder im Gesicht, verboten sind. Die Regelungen müssen klar sein, damit der Arbeitnehmer genau weiß, welche Tattoos erlaubt und welche verboten sind.

Kann ein Tattoo Grund für eine Kündigung sein?
Verstößt der Arbeitnehmer gegen ein ausdrückliches Verbot, dann kommt auch eine Kündigung in Betracht. Allerdings muss es dann einen erheblichen Verstoß darstellen und eine Abwägung muss dazu führen, dass der Arbeitgeber eine Person mit solchen Tattoos nicht zu dulden braucht.

Wie ist es, wenn man sicherst ein Tattoo stechen lässt, wenn man sich bereits in einem Arbeitsverhältnis befindet?
Wer sich ein Tattoo stechen lässt, das nicht anstößig ist und mit welchem keine verwerfliche Gesinnung zum Ausdruck gebracht wird, hat nichts zu befürchten. Dies gilt grundsätzlich für sämtliche Ausbildungsberufe. Allerdings sollte ein Azubi in einer seriösen Bank mehr Vorsicht walten lassen als ein Azubi in einem modernen Modeladen. Unterschiedliche gesetzliche Regelungen zu unterschiedlichen Ausbildungsberufen gibt es allerdings nicht. In vielen Branchen ist ein Tattoo aber nicht unbedingt karrierefördernd. Aus diesem Grund rate ich, ein offenes Gespräch mit dem Arbeitgeber zu führen, bevor man sich ein Tattoo stechen lässt, das sich negativ auf das Verhältnis zum Arbeitgeber auswirken könnte.

Böblinger Anwalt für Arbeitsrecht: Ralph Berndt

Fotos: Adobe Stock / beeboys, Ralph Berndt – Autor: Melissa Schaich