Traumjob über den Wolken

Traumjob über den Wolken

ALISA HELLSTERN IST FLUGBEGLEITERIN BEI DER EUROWINGS

Heute Stuttgart, morgen New York und übermorgen Barcelona – viele Jugendliche wünschen sich ein solches Jet-Set-Leben nach dem Schulabschluss. Alisa Hellstern aus Böblingen ist Flugbegleiterin bei Eurowings und lebt diesen Traum – oder zumindest annähernd.

„Eigentlich wollte ich schon immer Flugbegleiterin werden“, sagt Alisa Hellstern mit leuchtenden Augen. „Meine Mutter kommt aus Weißrussland. Als ich ein
kleines Mädchen war, haben wir jedes Jahr unsere Familie dort besucht.“ Auf die Flüge habe sie sich immer gefreut. Vor allem deshalb, weil das Bordpersonal immer so freundlich zu ihr gewesen

An Bord begrüßt Alisa Hellstern die Passagiere mit einem strahlenden Lächeln: Wer Flugbegleiter werden möchte, muss kontaktfreudig sein (Fotos: red)

sei. „Die Flugbegleiter sind offen auf die Kinder zugegangen und haben sich um sie gekümmert. Das hat mich angesprochen und ich wollte genau so sein wie sie.“ Ihren Kindheitstraum hat die heute 20-Jährige nie aus den Augen verloren.

Nach der Schule geht’s ab in den Flieger
Nach ihrem Abschluss an der Albert-Schweitzer-Realschule Böblingen macht sie ihr Fachabitur im Bereich Fremdsprachen beim Internationalen Bund in Stuttgart. Und erfüllt damit genau die Voraussetzungen, die sie für ihren Traumjob braucht. „Die Fluggesellschaften verlangen entweder einen Realschulabschluss mit einem
Jahr Berufserfahrung oder ein Fachabitur“, erklärt die Böblingerin. Zudem müssen Bewerber mindestens 18 Jahre alt und gesundheitlich fit sein. Auch die Sinne sollten allesamt gut funktionieren, „denn wir müssen merken, wenn etwas mit der Maschine nicht stimmt, und das sofort ans Cockpit weitergeben“.

Während es bei den Uniformen zwei Standardgrößen gibt, ist – entgegen gängiger Vorurteile – kein Maximalgewicht vorgeschrieben. „Man sollte sich im engen Gang bewegen können. Und natürlich auch an Boxen oberhalb der Sitze herankommen, in denen das Handgepäck untergebracht wird.“ Dafür brauche es auch ein gewisses Maß an Kraft. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wartet eine Ausbildung in Form eines dreimonatigen Crash-Kurses auf die Bewerber. Alisa Hellstern absolviert diesen bei der Eurowings-Gesellschaft in Köln. Dabei lernen die künftigen Flugbegleiter beispielsweise die genauen Abläufe kennen.
Denn die sind streng festgelegt. „Wir beginnen mit einem Briefing, erfahren dabei, wie viele Passagiere an Bord gehen und ob es spezielle Gäste gibt, beispielsweise Kinder oder Menschen mit Behinderung.“ Außerdem informieren die Piloten ihre Crew über die jeweilige Maschine oder das Wetter auf der Flugroute. Danach wird bestimmt, wer welche Position an Bord einnimmt und sich um welchen Bereich des Flugzeuges kümmert. Es folgt ein Check des Sicherheitsequipments – beispielsweise, ob die Atemmasken funktionieren – und dann strömen auch schon die Fluggäste hinein.

Wenig Zeit für Sightseeing
Weiterhin stehen ein Erste-Hilfe-Kurs, Security-Schulungen unter anderem im Flugsimulator, aber auch das erwartete Erscheinungsbild auf dem Lehrplan der neuen Flugbegleiter. „Man hat uns beispielsweise
gezeigt, wie wir uns für die Arbeit an Bord am besten schminken können“, verrät sie, dass entweder die Lippen oder die Augen betont werden, aber niemals beides. Die Männer lernen hingegen, wie der Bart
optimal gestutzt und das Haar ordentlich frisiert wird. Außerdem lernt das künftige Bordpersonal, wie die Dienstpläne entschlüsselt werden. „In der Winterzeit sind wir meistens vier Tage im Dienst und haben dann drei Tage frei, im Sommer sind es meist fünf und zwei Tage“, erklärt Alisa Hellstern.

In ganz Europa unterwegs: Das am weitesten entfernte Ziel der Eurowings sind die kanarischen Inseln

Sind alle Infos verinnerlicht, kann´s endlich losgehen. Alisa Hellstern ist durch ihre Anstellung bei der Eurowings ausschließlich in Europa unterwegs. Das weiteste Ziel sind die kanarischen Inseln mit einer Flugzeit
von rund vier Stunden. Viel Zeit für Sightseeing hat die 20-Jährige allerdings nicht. „Meistens fliegen wir von unserem jeweiligen Ziel direkt wieder zurück“, erklärt sie. Auf Mallorca habe sie aber auch schon einmal eine Umlaufzeit von einer Woche gehabt. Trotzdem, meint Alisa Hellstern, bekomme sie durch ihre Arbeit viele Einblicke in andere Kulturen. „Immerhin habe ich viel Kontakt zu den unterschiedlichen Leuten“, verrät sie. Und das sei schließlich das Schönste an ihrem Beruf. „Man sollte schon kontaktfreudig sein und gerne auf Leute zugehen“, meint sie. Und vor allem sollten Flugbegleiter immer die Ruhe bewahren können. Das sei vor allem dann wichtig, wenn Passagiere Flugangst haben oder sich beschweren, weil sie beispielsweise zu viel Handgepäck dabei haben und dies nachträglich im Gepäckraum verstaut werden muss. Alisa Hellsterns wichtigster Tipp: „Einmal tief durchatmen und sich kurz sammeln.“ Auch wenn sie nicht ganz so viel von der Welt sieht, wie sie sich das ursprünglich vorgestellt hatte, bleibt die Arbeit als Flugbegleiterin für die Böblingerin ein Traumjob. Ihr nächstes großes Ziel: „Irgendwann möchte ich gerne zu den Langstreckenflügen wechseln und weiter entfernte Ziele ansteuern.“

 

 

Foto und Text: Sandra Schumacher