Eine Frau in einem Handwerksberuf? Aber klar doch!

Eine Frau in einem Handwerksberuf? Aber klar doch!

Eine Frau in einem Handwerksberuf? Aber klar doch!

Stephanie Mohr aus Herrenberg hat eine Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin gemacht. In ihrem Beruf ist sie zumeist die einzige Frau, doch sie ist sich sicher: Das Handwerk ist genau ihr Ding.

Handwerkerberufe werden auch bei jungen Frauen immer beliebter. Stephanie Mohr aus Herrenberg hat eine Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin gemacht und ist froh, diesen Weg gewählt zu haben.

Zunächst hatte Stephanie Mohr vor, Hebamme oder Kinderkrankenschwester zu werden. „Zu dieser Zeit war es aber schwierig, einen Ausbildungsplatz in diesem Berufsfeld zu bekommen. So bin ich dann schließlich über ein Ausbildungsportal im Internet auf einen Ausbildungsplatz zur Fahrzeuglackiererin bei BMW gestoßen“, erzählt Stephanie. Zunächst absolvierte sie ein mehrtägiges Praktikum, dann war sie sich sicher: Sie wollte Fahrzeuglackiererin werden. „Mir hat die Arbeit gleich total Spaß gemacht, und ich habe mich auf Anhieb wohlgefühlt“, begründet sie ihre Entscheidung. Es folgte eine dreijährige Ausbildung, die sie allerdings in zweieinhalb Jahren abgeschlossen hat. „Das erste Lehrjahr ist ziemlich schullastig. In der Regel war ich vier Tage die Woche in der Schule und einen Tag im Betrieb. Im zweiten Jahr ist es aber schon anders, dann werden Schule und Arbeit in Blöcke aufgeteilt“, erklärt die Herrenbergerin.

„In der Produktion war ich immer die einzige Frau“

„In der Produktion war ich immer die einzige Frau“, erzählt die Fahrzeuglackiererin von ihren Erfahrungen im Handwerk. Das größte Problem, das sich ihr am Anfang gestellt hat, sei gewesen ernstgenommen zu werden. „Aber als die Leute gesehen haben, dass ich genauso anpacken kann wie manche Männer, hat sich das gelegt. Auf den ein oder anderen Spruch muss man sich schon einstellen, aber wenn man entsprechend kontert, sind die Sprücheklopfer ganz schnell ruhig“, lacht Stephanie. „Ich hatte auch Glück mit meinen Kollegen, die waren alle nett“, erzählt sie. Eine Ausbildung kann sie jungen Frauen nur empfehlen: „Für mich war es genau das Richtige. Der Beruf ist so vielfältig, das hat mich einfach überzeugt.“ Während der Ausbildung liegt der Schwerpunkt auf den praktischen Handgriffen, wie zum Beispiel, wann welches Schleifpapier eingesetzt wird. Sie selbst hat die Weiterbildung zur Technikerin gemacht. „Damit kann man beispielsweise auch Lehrerin an Berufsschulen werden“, sagt sie. Für sie war von vornherein klar, dass sie die Weiterbildungsmöglichkeiten, die ein Ausbildungsberuf mit sich bringt, auch wahrnehmen will. Im Moment ist sie bei einer Industrielackierer-Firma in Stuttgart angestellt. Dort gibt es nicht nur menschliche Lackierer, sondern auch Roboter, die bestimmte Arbeiten übernehmen. „Mein Job ist es gerade, die Roboterprogrammierungen vorzunehmen, das macht total Spaß“, erzählt sie. Mit ihrer Weiterbildung zur Technikerin hat sie es außerdem geschafft in den Prüfungsausschuss für Fahrzeuglackierer zu kommen und ist deshalb auch bei Zwischen- und Gesellenprüfungen mit dabei.

Mehr Mädchen begeistern sich für Handwerksberufe

Während ihrer Arbeit in den Schulen hat sie in den vergangenen Jahren den Eindruck gewonnen, dass sich immer mehr Mädchen für Handwerksberufe begeistern können. „Im Vergleich zu den Männern ist es immer noch wenig, aber ich sehe definitiv einen Fortschritt“, erklärt Stephanie. „Das Problem ist, dass in vielen Köpfen immer noch die Gewohnheit steckt, dass handwerkliche Berufe nur für Männer bestimmt sind“, fügt sie hinzu. „Aber die Zeiten ändern sich. Heutzutage ist die Arbeit nicht mehr so extrem körperlich wie früher, es geht vielmehr um Geschicklichkeit.“ Sie gibt aber auch zu, dass Ausbildungsberufe oftmals eine sehr junge Zielgruppe ansprechen. „Nicht jedes Mädchen im Alter von 15 oder 16 Jahren hat bereits das Selbstbewusstsein und die Standhaftigkeit, sich gegen die Vorurteile 60 Jahre alter Männer bei der Arbeit durchzusetzen. Hier müssen Mädchen unterstützt und gefördert werden.“ Deshalb sei es ihr auch so wichtig, Mädchen für Ausbildungsberufe zu animieren und veraltete Denkstrukturen aufzubrechen. Denn die Qualifikationen, die der Beruf verlangt, können Menschen jeglichen Geschlechts erfüllen: „Bei der Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin braucht man vor allem Geschicklichkeit, Feingefühl und ein gutes Auge, um Farbunterschiede erkennen zu können und Lackierungen anzupassen.“

Foto: Werbefotografie Axel Weiss – Autor: Melissa Schaich